05. April 2018
18.00 Uhr

Mara Genschel und Hartmut Abendschein sind beide stets auf der Suche nach einer Entsprechung in der Sprache für das in der Welt Vorgefundene; beiden sind Arbeitsmethoden eigen wie jene, die von vorausgesetzten Strukturen ausgeht, die Formen abtastet und auslotet und so dem poetischen Kern der Dinge gehörig auf den Grund geht.

 

Mara Genschel Mara Genschel, 1982 in Bonn geboren, studierte Musikwissenschaften in Köln und Literatur am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2008 erschien ihr erster Gedichtband. 2012 startete sie das eigenständige Buchprojekt Referenzflächen, das in Heftform jeweils eine Auswahl ihrer Gedichte bündelt, in die sie handschriftlich eingreift. Es gibt in diesen Texten keine festgefügten Regeln, Merkmalen der Lyrik entziehen sie sich. Aber gerade diese wortwörtliche Freiheit der Sprache ist es, die Genschels Kunst ausmacht; der widerspenstige Gebrauch des Materials und die eigenwillige Weise, sich die Umgebung einzuverleiben. So auch in Cute Gedanken, ihrem neuesten Band: Während eines Residenzstipendiums in Iowa hat die Autorin auf ihrem «sehr preiswerten Mobiltelefon» mit der automatischen amerikanischen Korrekturfunktion tägliche Einträge verfasst: Es ist ein Band entstanden, dem eine radikale Schreibhaltung innewohnt, ein Band aus lyrischen Schnipseln voller Poesie, Sprachlust und Schabernack.

 

Hartmut Abendschein Hartmut Abendschein (*1969) ist in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen und arbeitete dort als Buchhändler. Er studierte Germanistik und Anglistik in Konstanz und Glasgow, war wissenschaftlicher Dokumentar in Köln und lebt und arbeitet heute in Bern. Seit 2007 ist er Verleger der edition taberna kritika. Als Autor beschäftigt er sich mit Prosa, konzeptueller und experimenteller Literatur, korpuspoetischen Verfahren, literarischen Weblogs oder Hybrid Publishing. Zuletzt sind von ihm erschienen: Schellendiskursli / Schellenexkursli (2013), Recycling Le Tour de France (2014) und Flarf Disco. Popgedichte (2015). Hartmut Abendscheins Texte folgen einer ganz eigenen inneren Logik, führen einen mäandernden Diskurs; oder aber sie folgen einer äusseren Logik, die wiederum direkt auf den Text einwirkt. So im jüngsten Band nicht begonnenes fortsetzen. Text, Kontur, Schatten (2017), in dem ein Klappdruck, der sich schmetterlingsähnlich und spiegelachsig auffaltet, die Form des Textes, der Zeilenlänge vorgibt, oder anders: «My daily Rorschach».

 

Foto: Thomas Langdon (o.)

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