04. April 2019
18.00 Uhr

Luna Al-Mousli und Michelle Steinbeck gehen, so unterschiedlich ihre jeweils beschriebenen Welten auch sind, auf doch sehr ähnliche Weise daran heran: mit einem unverstellten, zuweilen kindlichen Blick. Dadurch wird das Naheliegende freigelegt, werden vermeintlich einfache Fragen gestellt, Horizonte auf den Kopf gestellt.

 

Michelle Steinbeck © Dirk Skiba 2018 Michelle Steinbeck (*1990) lebt in Basel und studiert Philosophie und Soziologie. Sie ist leitende Redaktorin der Fabrikzeitung und Kuratorin von Babelsprech.International. Mit ihrem Debüt Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch war sie für den Deutschen sowie den Schweizer Buchpreis nominiert. Darin reist Loribeth durch eine ganz und gar surreale Welt, in der nichts so ist, wie man auf den ersten Blick annimmt, und in der es doch so vieles gibt, das man aus dem eigenen Leben kennt: Die Suche nach Liebe, Ruhe, Glück.
Das Absurde, das Märchenhafte und Groteske hat auch Einzug in ihr zweites Buch gefunden. Eingesperrte Vögel singen mehr versammelt Gedichte, denen eine klare Ansage vorangestellt ist: Jetzt wird gespielt. Und das tun die Texte dann auch, sie entziehen sich immer wieder den Regeln, bilden aber zugleich ganz eigene Welten ab. Träume vermengen sich mit der Realität, durchdringen sie und verstören, aber vor allem schaffen sie so neue Wirklichkeiten.

 

Luna Al-Mousli Luna Al-Mousli (*1990) ist zwischen Österreich und Damaskus aufgewachsen und arbeitet heute als freie Autorin, Grafikerin und Illustratorin in Wien. Ihr erster, zweisprachiger Band Eine Träne. Ein Lächeln. Meine Kindheit in Damaskus versammelt Erinnerungen aus der Kindheit, zu poetischen Kleinoden geformt. Die Wassermelone wird zum Spielzeug im Pool, in langen Wintern werden Fehler im Orientteppich gesucht und gefunden, und die Tante warnt vor den Bleistiften, die vor der amerikanischen Botschaft liegen, weil es Bomben sein könnten – nur liegen da nie Bleistifte. Luna Al-Mousli erfasst Details mit genauem Blick und übermittelt beinahe beiläufig ein Bild von Leben und Alltag, Glaube und Familie.
In ihrem zweiten Buch Als Oma, Gott und Britney sich im Wohnzimmer trafen. Oder der Islam und ich macht die Erzählerin einen Schritt zurück; die Erlebnisse in der Grossfamilie werden reflektiert und in Bezug zum westlichen Alltag gesetzt. Sie erzählt vom Papagei Modi, der so religiös war, dass er mit dem Muezzin sang, und von der Tante, die alle schlechten Wörter aus den Eminem-Liedern herausschnitt.

 

Fotos: Dirk Skiba (o.), Marie-Christine Gollner-Schmid (u.)

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