04. April 2019
12.30 Uhr
Bilbliothek Münstergasse

Ein grossartiger Aufzug eröffnet Farantheiner, dieses von Patrick Savolainen so bemerkenswert schön gestaltete Buch: Da kommt einer unter einem unüblich weit aufgespannten Himmel in einer kleinen Staubwolke dahergeritten. Doch schon bald beginnt der Text Haken zu schlagen, knapp vorbei am Geschehen, das sich auf einem Weinberg zwischen Cowboys und unter Pferdedieben abspielt. Farantheiner ist aber kein wirklicher Western und entzieht sich auch sonst allen möglichen Genres; und vor allem immer wieder dem Leser, der Leserin, die und der geglaubt hatte, dem Text auf die Schliche gekommen zu sein. Als Palimpsest eines Groschenromans, das sich selbst fortwährend auf den Prüfstand stellt und alles Gewohnheitsmässige über den Haufen wirft, um sich sogleich wieder den Gesetzen der Narration zu unterwerfen, verwirrt, irritiert und berauscht dieses Buch. Man kann kaum Vergleiche herbeiziehen, man kann nur lesen und sich über die konsequente, mit aller Ernsthaftigkeit betriebene Spielweise amüsieren.

 

Patrick Savolainen © Reto Moser Patrick Savolainen (*1988) ist in Malaga geboren und hat am Literaturinstitut in Biel und an der Hochschule der Künste Bern studiert. Er lebt und schreibt in den Nordischen Ländern und in der Schweiz und arbeitet als Grafiker. Seine grafischen Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet, so auch mit Gold bei den European Design Awards 2017.
Sein literarisches Schreiben reicht von Gedichten, in denen er die Sprache wie Messing in ihre Form treibt, über Essays wie unendlicher Regress, der von der sequentiellen Struktur des Buches handelt, hin zu seinem ersten Roman Farantheiner, 2018 im Bieler Verlag die brotsuppe erschienen und 2019 mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.

 

Foto: Reto Moser

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