27. April 2022, Eröffnung
20.30 Uhr

 

Kultur kann sich nicht nicht mit ihrer Gegenwart beschäftigen, denken wir. In diesem Jahr steht unsere Reihe um 19.00 Uhr deshalb im Zeichen der politischen Literatur. Wir haben drei Autor*innen eingeladen mit Werken, die sich brisanten Themen widmen: italienischer Faschismus, Kolonialisierung in Afrika, Fluchtbewegung nach Europa, Flüchtlingslager und Kinder, die in Schweizer Schränken zitterten, statt in die Schule zu gehen. Kinder von sogenannten Saisonniers. Alle drei Werke thematisieren das brandaktuelle Thema «Migration». Wie arbeiten diese Autor*innen? Wie übersetzen sie Realität in Literatur? Welche Herausforderungen stellen sich bei der Verarbeitung historischer, politischer Fakten? Wieviel persönliche Erfahrung erträgt ein Text? Würden sie sich selbst als politische Autor*innen bezeichnen? Diese und weitere Fragen erörtert Nicoletta Cimmino mit unseren Gästen gemeinsam am Eröffnungsabend.

 

 

Francesca Melandri Francesca Melandri, geboren in Rom, hat sich in Italien zunächst als Autorin von Drehbüchern für Kino- und Fernsehfilme einen Namen gemacht. Mit ihrem ersten Roman „Eva schläft“ wurde sie auch einem breiten deutschsprachigen Lesepublikum bekannt. Ihr zweiter Roman „Über Meereshöhe“ wurde von der italienischen Kritik als Meisterwerk gefeiert. Ihr drittes Buch „Alle, außer mir“ holt die bisher verdrängte italienische Kolonialgeschichte des 20. Jahrhunderts in die Literatur. Die Verbindungen Italiens nach Äthiopien und Eritrea bis hin zu den gegenwärtigen politischen Konflikten verknüpft sie mit dem Schicksal der heutigen Geflüchteten – und stellt die Schlüsselfragen unserer Zeit: Was bedeutet es, zufällig im „richtigen“ Land geboren zu sein und wie entstehen Nähe und das Gefühl von Zugehörigkeit? Das Buch stand zehn Wochen lang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und die Zeit schrieb, Francesca Melandri sei „ein großer zeitgeschichtlicher Roman über Migrantenschicksale und das Gift des Kolonialismus gelungen“.

deutschlandfunkkultur.de > Francesca Melandri über „Alle, außer mir“

 

Johanna Lier Johanna Lier ist Schriftstellerin und Journalistin. Sie arbeitete mehrere Jahre als Redaktorin auf der WoZ – Wochenzeitung, publizierte Hintergrundreportagen und Literaturrezensionen unter anderem in der NZZ und dem St. Galler Tagblatt und veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände. Recherchen und politische Projekte führten sie für längere Zeit in den Iran, die Ukraine, nach Nigeria, Chile, Israel, Argentinien und Griechenland, wo sie auf der Insel Lesbos eher zufällig in das Flüchtlingslager Moria kam. Eine Gewalterfahrung, die sie nicht unbeantwortet stehen lassen konnte. Daraufhin ist ihr zweiter Roman Amori. Die Inseln entstanden. Ein literarisch-dokumentarischer Bericht über Menschen, die in Moria versuchen, zu überleben und über eine jahrhundertealte europäische Praxis: die Selektion und das Lager. Als politische Aktivistin setzt sich Johanna Lier ausserdem bei Alarmphone - Watch the Med Investigations für sichere Fluchtwege, das Recht auf freie Mobilität und die Einhaltung der Menschenrechte an den europäischen Aussengrenzen ein.

pillowbook.ch

 

Vincenzo_Todisco Vincenzo Todisco wurde 1964 in Stans geboren und ist zweisprachiger Schriftsteller (Italienisch/Deutsch bzw. Deutsch/Italienisch). Er hat mehrere Romane in italienischer Sprache veröffentlicht und 2018 mit „Das Eidechsenkind“ seinen Erstling in deutscher Originalsprache herausgegeben, welcher für den Schweizer Buchpreis 2018 nominiert wurde. Todisco hat ausserdem bereits mehrere Kinderbücher geschrieben. Sein literarisches Schaffen wurde 2005 mit dem Bündner Literaturpreis geehrt. Hauptberuflich ist er an der Pädagogischen Hochschule Graubünden tätig, wo er die Sonderprofessur für Mehrsprachigkeitsdidaktik mit Schwerpunkt Italienisch leitet. Die literarische Arbeit ergänzt seine Arbeit als Dozent, Fachdidaktiker und Sprachwissenschaftler.

rotpunktverlag.ch > Vincenzo Todisco
ansichten.srf.ch > Vincenco Todisco

 

Nicoletta Cimmino Moderiert wird die Reihe von Nicoletta Cimmino. Sie wurde 1974 geboren und ist freischaffende Audiojournalistin und Autorin. Bis 2021 war sie die Stimme der Hintergrundsendung „Echo der Zeit“ auf Schweizer Radio SRF. In dieser Funktion wurde sie 2019 zur „Schweizer Journalistin des Jahres“ gewählt. Sie produziert Podcasts und schreibt für diverse Medien wie „Republik“, „DIE ZEIT“ oder die „NZZ am Sonntag“. 

republik.ch > Nicoletta Cimmino

 

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